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Bestandserfassungen in der Hohen Garbe im Natura 2000-Gebiet Aland-Elbe-Niederungen

Schrägluftbild Hohe Garbe (Frank Meyer)

Im Norden Sachsen-Anhalts liegt an der Landesgrenze zu Niedersachsen in der Schlaufe eines Elb-Mäanders das Gebiet der Hohen Garbe. Der abgeschiedene Ort wird von einem der letzten verbliebenen Auwälder im Bereich der Unteren Mittelelbe eingenommen. Dieser ist von weitläufigem Auengrünland umgeben, welches durch zahlreiche Kleingewässer und Baumgruppen geprägt ist. Hieran schließen sich die durch Buhnen befestigten sandigen Ufer der Elbe an - das ca. 420 ha große Gebiet stellt ein sehr vielfältiges Mosaik verschiedener Biotope dar und ist Teilgebiet des NSG „Aland-Elbe-Niederung“ welches das Vogelschutzgebiet
und das FFH-Gebiet „Aland-Elbe-Niederung nördlich Seehausen“ beinhaltet.

Durch die Lage am Grünen Band, dem ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen war das Gebiet jahrzehntelang von der Außenwelt weitgehend abgeschottet und hat sich zu einem Rückzugsort zahlreicher bestandsbedrohter Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Viele der hier lebenden Arten werden auf der Roten Liste geführt und sind nach der FFH-Richtlinie, einer europäischen Naturschutzrichtlinie geschützt. Die Richtlinie schreibt vor, dass die Lebensräume dieser Arten durch Schutzgebiete bewahrt werden müssen.

Mit der Wende hat jedoch auch hier wieder ein zunehmender Nutzungsdruck eingesetzt, zudem ist der Auwald durch einen Deich von der Elbe abgeschnitten, eine natürliche Überflutungsdynamik kann nicht wirksam werden.

Im Rahmen des vom BfN (Bundesamt für Naturschutz) geförderten Projektes „Auenentwicklung und Auenverbund an der Unteren Mittelelbe“, initiiert vom Trägerverbund Burg Lenzen e.V., soll hier in den nächsten Jahren ein Leuchtturmprojekt zur Auenreaktivierung durchgeführt werden.

Ziel ist, in enger Kooperation mit der Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe, dem Landesamt für Umweltschutz (LAU) und dem Landkreis Stendal, in weiten Teilen der Hohen Garbe wieder eine natürliche Hochwasserdynamik der Elbe herzustellen und einen Teil des Gebietes durch die Ausweisung einer Kernzone vor menschlicher Einflussnahme zu sichern. 

Die Voraussetzungen dafür sind günstig. Der alte Deich wird schon seit vielen Jahren nicht mehr unterhalten und bereits jetzt bei stärkeren Hochwasserereignissen überströmt. Der Rückfluss des eingeströmten Wassers erfolgt allerdings über Rohrdurchlässe, so dass eine ungehinderte Durchströmung der Fläche verhindert ist und ein auenuntypischer Stauwassereinfluss dominiert. Um die natürliche Hochwasserdynamik der Elbe wieder herzustellen, soll der Altdeich an geeigneten Stellen zurückgebaut und Altwässer sowie in der Vergangenheit verfüllte Senken wieder an den Lauf der Elbe angebunden werden.

Flächen in einer Größenordnung von ca. 170 ha befinden sich bereits im Eigentum des Naturschutzes. Allerdings  bilden diese Flächen keinen zusammenhängenden Komplex. Um die Flächen zusammenzulegen und weitere, noch in Privatbesitz befindliche Flächen, zu erwerben wird ein Bodenordnungsverfahren umgesetzt, so dass zukünftig eine zusammenhängende störungs- und nutzungsfreie Kernzone im Biosphärenreservat geschaffen werden kann.

Für die Erstellung eines Teil-FFH-Managementplanes für das Gebiet der Hohen Garbe werden derzeit im Auftrag des BUND Sachsen-Anhalt e.V. mit Hilfe von Fördermitteln des Landes Sachsen-Anhalt umfangreiche Bestandserfassungen durchgeführt. Die Daten sollen weiter als Grundlage für die Maßnahmenplanung zur Auenreaktivierung sowie für eine naturschutzfachliche Erfolgskontrolle der geplanten Renaturierungsmaßnahmen in der Hohen Garbe genutzt werden.

Alter Hartholzauwald an ehemaligen Flutrinnen in der Hohen Garbe (Dieter Leupold)

Neben einer flächendeckenden FFH-Lebensraum-typenkartierung werden die Vegetation und Strukturparameter, Brutvögel, Amphibien, Laufkäfer, Fische, Libellen und weiteres Makrozoobenthos, Fledermäuse und xylobionte Käfern erfasst. Die beiden zuletzt genannten Artengruppen sind gute Indikatoren für den Erhaltungszustand des Auwaldes und sollen insbesondere Argumente für den weiteren Ankauf von Waldflächen liefern.

Der hier noch großflächig vorhandene Hartholzauwald, der überwiegend mit Stieleiche und Flatterulme bestockt ist, nimmt eine Fläche von ca. 180 ha ein. Außerhalb der Hauptverbreitung im Dessauer Raum stellt dieser Auwald den größten verbliebenen und zusammenhängenden Hartholzauwaldkomplex im Biosphärenreservat Mittelelbe dar. Zudem weist er einen hohen Anteil an Alt- und Totholz auf. Diese alten Bäume sind der Lebensraum vieler gefährdeter Arten.

liegendes Totholz (Dieter Leupold)

Lebensräume wie die Hohe Garbe sind in unserer überwiegend durch menschliche Nutzung geprägten Landschaft sehr selten geworden, die Bestände der darauf angewiesenen Arten zurückgegangen. Erste Ergebnisse der Bestandserfassungen belegen den Wert der Hohen Garbe für den Naturschutz.

So konnte u.a. eine hohe Dichte des Mittelspechtes nachgewiesen werden. Die Art ist nach der Vogelschutzrichtlinie europaweit streng geschützt. Der Mittelspecht ist auf große ungestörte Wälder mit ausreichend Alt- und Totholz zur Nahrungssuche und zum Höhlenbau angewiesen. Da er regelmäßig neue Bruthöhlen baut, um umzuziehen, herrscht ein hohes Angebot alter Höhlen, die von anderen Tieren wie zum Beispiel Fledermäusen nachgenutzt werden können.

Großer Abendsegler (Dieter Damschen)

An Fledermaus-Arten konnten mit Fledermaus-Detektor und Netzfang im Gebiet der Hohen Garbe bisher folgende Arten nachgewiesen werden: Kleine Bartfledermaus, Breitflügelfledermaus, Großer Abendsegler, Rauhautfledermaus, Teichfledermaus, Wasserfledermaus und Mückenfledermaus.

Großer Abendsegler, Wasserfledermaus und Mückenfledermaus können als typische Arten der Elbtalaue bezeichnet werden. Ein besonderes Highlight ist der Nachweis der Teichfeldermaus, von der bisher nur sehr wenige Nachweise aus Sachsen-Anhalt vorliegen. Wie schon ihr Name besagt, kommt auch diese Art typischerweise an Gewässern vor.

Steinbeisser (Katharina Nabel)

Die Rotbauchunke, ebenfalls eine nach der FFH-Richtlinie streng geschützte Art, laicht in besonnten, vegetationsreichen und fischfreien Flachgewässer mit starker jahreszeitlicher Wasserstandsdynamik – eine Gefährdung der Rotbauchunke entsteht vor allem durch den Lebensraumverlust infolge von Flussbegradigungen und Deichbau sowie großräumiger Flächenentwässerung.

Im Bereich der Gewässer konnte weiterhin die Grüne Keiljungfer nachgewiesen werde, eine in ihrem Bestand bedrohte und nach der FFH-Richtlinie geschützte Libellenart. Die Keiljungfer ist für ihre Larvalentwicklung auf sandig-kiesige Uferbereiche angewiesen. Geeignete Lebensräume sind durch die Zerstörung der Fließgewässerhabitate durch wasserbauliche Maßnahmen (zum Beispiel Begradigung, Beräumung, Ausbau) und Gewässerverschmutzung selten geworden.

Ebenfalls in den sandig-kiesigen, naturnahen Uferbereichen der Elbe lebend, konnten Fluss-Regenpfeifer, Fluss-Uferläufer, und Austernfischer nachgewiesen werden. Alle drei Arten sind nach der Vogelschutz-Richtlinie geschützt.

Die wertvollsten Bereiche in der Hohen Garbe stellen somit die alten Auwälder und die Strom-Elbe selber dar.

Das Projekt „Bestandserfassung Hohe Garbe“ wird durch das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt aus Mitteln der Europäischen Union, der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.

Projektkoordinatorin: Katharina Nabel
Laufzeit: 15.04.2013 - 30.09.2014

Informationen zum Projekt „Auenreaktivierung und Auenverbund an der unteren Mittelelbe" und Informationen zum Grünen Band unter:
http://www.dasgrueneband.info
http://www.erlebnisgruenesband.de/
 



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