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Klimakiller Kohlekraftwerk in Deutschland

Mehr als 25 neue Kohlekraftwerke sollen in den nächsten Jahren in Deutschland gebaut werden. Allen voran wollen RWE, Vattenfall, e.on und EnBW wieder in die Technik von gestern investieren. Sie planen den Neubau von ineffizienten Braun- und Steinkohlekraftwerken. Kanzlerin Merkel und Umweltminister Gabriel wollen Deutschland gerne international als Vorreiter beim Klimaschutz verkaufen. Aber sie haben mit einer massiven Bevorzugung von neuen Kohlekraftwerken im Emissionshandel den drohenden Neubauboom erst möglich gemacht. Will Deutschland seine Klimaziele erreichen, muss die Bundesregierung den Neubau von ineffizienten Kohlekraftwerken schnell unmöglich machen.

Es gibt keine klimaschädlichere Art der Stromerzeugung als die Verbrennung von Kohle. Zum Vergleich: Braun- und Steinkohlekraftwerke sind mehr als doppelt so klimaschädlich wie moderne Gaskraftwerke. Die großen Dampfwolken aus den Kühltürmen der Kraftwerke machen ein anderes Problem deutlich: Mehr als die Hälfte der eingesetzten Energie geht als ungenutzte Wärme verloren. Kohlekraftwerke mit ihren hohen Investitionskosten sind auf eine sehr lange Nutzungsdauer von über vierzig Jahren ausgelegt. Wenn jetzt neue Kohlekraftwerke gebaut werden, legen sie einen hohen Sockel klimaschädlicher Emissionen für Jahrzehnte fest.

Neue Kraftwerke sind keine Ersatzbauten

Die Konzerne wollen  mehr Strom aus Kohle. Alte Kraftwerke sollen nicht im gleichen Umfang stillgelegt werden, wie oft behauptet wird. Der BUND hat in einer Analyse herausgefunden, dass den geplanten neuen Kohlekraftwerken in der Größenordnung von bis zu 27270 MW (Megawatt) lediglich geplante Stilllegungen in der Größenordnung von bis zu 6917 MW gegenüberstehen. Dies führt unterm Strich zu einer Steigerung der jährlichen CO2-Emissionen um über 100 Mio. Tonnen führen.

Saubere Kohle - Feigenblatt der Stromkonzerne

Vattenfall und RWE kündigen gern das „CO2-freie Kraftwerk“ an. Solche Kraftwerke werden allerdings noch lange nicht gebaut. Angeblich 2020 könnten sie zur Verfügung stehen. Bei keinem der jetzt geplanten neuen Kohlekraftwerke ist jedoch die CO2-Abscheidung und -Lagerung vorgesehen. Später ist die Nachrüstung konventioneller Kraftwerke mit Techniken zur CO2-Abscheidung aber extrem unwahrscheinlich, denn sie ist sehr aufwendig und teuer.

Widerstand und erste Erfolge

An vielen Orten regt sich Widerstand. Und es gibt die ersten Erfolge: Vier große Kohlekraftwerke konnte der BUND schon von der Karte streichen: RWE in Ensdorf, Rheinenergie in Köln, die swb AG in Bremen und die Steag in Quierschied mussten ihre Planungen aufgegeben. 

 

Stopp Kohlekraftwerke!

EnBW, E.ON, RWE, Vattenfall und andere Energieunternehmen investieren in die Technik von gestern. In 27 neuen Kraftwerken wollen sie Braunkohle oder Steinkohle verbrennen. Werden diese Pläne Realität, dann ist mittelfristig in Deutschland wirksamer Klimaschutz kaum noch möglich. Denn diese Klimakiller-Kraftwerke sollen nach den Vorstellungen der Stromkonzerne 40 Jahre und länger laufen. Doch gegen diese Pläne regt sich Widerstand. BUND-Aktive in vielen Städten wehren sich.

CO2 – Bilanz Kohle

Saubere Kohle gibt es nicht

Kohlekraftwerke sind Dreckschleudern. Sie stoßen viel Kohlendioxid (CO2) aus, das unser Klima ruiniert. Das muss nicht sein – versprechen die Energiekonzerne. Doch was ist von diesem Versprechen zu halten?Technisch ist vieles machbar. Die Folgen und „Nebenwirkungen“ werden jedoch meist nicht beachtet. Genauer betrachtet zeigt sich, dass die Speicherkapazitäten in früheren Gasspeichern begrenzt und ökologische Folgen nicht erforscht sind. Ein Einpumpen des CO2 in die Tiefen der Weltmeere verbietet sich ohnehin, will man nicht eine immense ökologische Katastrophe durch die Versauerung und Zerstörung der Meeresfauna heraufbeschwören. Der Mythos "Saubere Kohle" ist ein Alptraum.

Kaum beachtet ist, dass kein Speicher hundertprozentig auf Dauer dicht ist. So würde bei einer Leckrate von 0,1 bis 1 Prozent das CO2 in 100 bis 1000 Jahren doch wieder in die Atmosphäre gelangen. Die CO2-Abscheidung, Transport und Speicherung bedingt einen Energie-Mehraufwand von 10 bis 15 Prozent in den Kraftwerken. Damit wird aber zunächst mehr Kohle verfeuert, so dass am Ende sogar mehr CO2 in die Umwelt gelangen kann als ohne diese Technik. Die Abtrennung und Lagerung von CO2 gefährdet die Umwelt. Kohlekraftwerke mit CO2- Abscheidung sind sehr teuer. Sie sind daher weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll – auch nicht als Übergangstechnik: Warum sollte man gefährliche und teure Umwege gehen, wenn man schon heute in erneuerbare Energien und in mehr Energieeffizienz investieren kann?

Das "CO2-freie Kraftwerk" ist nur ein Feigenblatt der Stromkonzerne

Der BUND kritisiert die aufwändige Kampagne, mit der sich RWE, Vattenfall und Co. ein klimafreundliches Image geben wollen. Fakt ist, dass in keinem der jetzt geplanten neuen Kohlekraftwerke die Kohlenstoffabscheidung vorgesehen ist. Diese wird frühestens ab 2020 einsetzbar sein, wenn überhaupt.

Die Stilllegungslüge: Kohle-Ausbauprogramm statt ökologischer Modernisierung des Kraftwerksparks

In Boxberg/Sachsen baut Vattenfall ein neues Braunkohlekraftwerk. Der Neubaublock R soll 2011 mit einer Leistung von 675 MW seinen Dauerbetrieb aufnehmen.

Die Bundesregierung und die Stromkonzerne sprechen gerne davon, dass neue Kohlekraftwerke künftig alte ineffiziente Anlagen ersetzen sollen und damit einen Beitrag zur CO2–Reduktion leisten würden. Doch wie eine BUND-Analyse zeigt: Diese Behauptung ist nicht mehr als ein Propagandatrick. Trotz Klimaerwärmung wollen die Konzerne den Anteil des Klimakillers Kohle an der Stromerzeugung deutlich erhöhen. In keinem Fall sollen für ein neu geplantes Kohlekraftwerk im gleichen Umfang alte Kraftwerkskapazitäten vom Netz genommen werden.

Insgesamt stehen neuen Kohlekraftwerken in der Größenordnung von bis zu 27270 MW lediglich geplante Stilllegungen in der Größenordnung von bis zu 6917 MW gegenüber. Dies führt unter dem Strich zu einer deutlichen Verschlechterung der Klimabilanz: Nach den bisherigen Planungen würde das „Kraftwerksmodernisierungsprogramm“ in Deutschland zu einer Steigerung der jährlichen CO2-Emissionen um über 110 Mio. Tonnen führen.

Der Emissionshandel schafft Anreize für neue Kohlekraftwerke

BUND-Protest gegen das Zuteilungsgesetz für CO2-Zertifikate und damit verbundene versteckte Subventionierung von Kohlekraftwerken

Der Emissionshandel bevorzugt den Bau neuer Kohlekraftwerke, indem diese mehr Gratis-Zertifikate bekommen als vergleichbare klimafreundlichere Gas-Kraftwerke. Wie groß ist der wirtschaftliche Anreiz für die Stromkonzerne? Dies hat der BUND in einer Analyse berechnet: Konkret geht es darum, welche neuen Kohlekraftwerke in dem Zeitraum des NAP 2 (2008-2012) gebaut werden sollen, wie viele Zertifikate die Stromkonzerne dafür (gratis) zugeteilt bekommen und welchen Gegenwert in Geld diese Zertifikate darstellen. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass die Stromkonzerne den Wert der Gratis-Zertifikate einpreisen und an ihre Kunden weitergeben, obwohl ihnen keine Kosten entstanden sind. Bei der Berechnung wurde der aktuelle Preis für Zertifikate der nächsten Handelsperiode (17 Euro/t) angenommen.

Das Ergebnis: Die Betreiber der neuen Kohlekraftwerke, die in den Jahren 2010 bis 2012 ans Netz gehen sollen, erhalten Gratis-Zertifikate im Wert von bis zu 4 Milliarden Euro. Für vergleichbare Gas-GuD-Kraftwerke würden die Stromkonzerne nur Zertifikate im Wert von bis zu 2 Milliarden Euro erhalten. Dies bedeutet, dass die Stromkonzerne – wenn sie auf klimaschädliche Kohlekraftwerkes statt auf moderne Gas-Kraftwerke setzen, zusätzliche Gewinne von bis zu 2 Milliarden Euro machen können.

Alternativen:

Umweltfreundlich und effizient – für eine Energiezukunft ohne Kohle und Atom

Neue Kohlekraftwerke sind Gift für das Klima, die CO2-Abscheidung ist eine Scheinlösung und Atomkraftwerke sind zu gefährlich – soweit die Argumente des BUND in Schlagworten zusammengefasst. Aber wohin soll die Reise gehen? Will der BUND alle Kohle- und Atomkraftwerke gleichzeitig durch Windräder und Solaranlagen ersetzen?So einfach geht das nicht. Aber es gibt neben den erneuerbaren Energien noch mehr Alternativen zur konventionellen Stromerzeugung: die Kraft-Wärme-Kopplung und die Verringerung des Stromverbrauchs.

Erneuerbare Energien weiter ausbauen

Dank des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) produzieren Wind, Wasser, Sonne und Biomasse heute schon 12 Prozent des Stroms. In den letzten Jahren erlebte die Branche einen Boom. Alleine die Kapazitäten der Windräder sind jedes Jahr um 20 Prozent gewachsen. Demnächst folgt der Ausbau auf See. Bis 2020 können die erneuerbaren Energien knapp 30 Prozent zur Stromerzeugung beitragen. Beim Ausbau der erneuerbaren Energien als Ersatz für Öl- und Gasheizungen hakt es noch. Solaranlagen auf Hausdächern für die Warmwasserbereitung und das Heizen mit Biogas oder Holzpellets haben in vielen Regionen Seltenheitswert. Hier gab es nur eine geringe Steigerung von 5,3 Prozent in 2005 auf 5,9 Prozent in 2006. Deshalb ist ein Gesetz für den Wärmebereich erforderlich, das einen dem EEG vergleichbaren Boom auslöst.

Kraft-Wärme-Kopplung fördern

Die höchsten Effizienzgewinne bei der Strom- und Wärmeerzeugung lassen sich durch den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) erzielen. In diesen Kraftwerken werden gleichzeitig Strom und Wärme für Gebäudeheizungen oder Industrieprozesse gewonnen. Das mögliche KWK-Potenzial zeigt ein Blick über die Grenzen: Der Anteil der KWK an der Stromerzeugung beträgt in Deutschland 11 Prozent, in den Niederlanden und Finnland liegt er bei nahezu 40 Prozent und in Dänemark schon bei 50 Prozent. Dieser Ausbau lässt sich relativ schnell durchführen: So wurde in den Niederlanden die KWK-Kapazität von 1987 bis 1997 verdreifacht. 2001 haben die Energiekonzerne in Deutschland versprochen, den Anteil der KWK bis 2010 zu verdoppeln. Trotzdem haben EnBW, Eon, RWE und Vattenfall deren Ausbau weiter blockiert. Der BUND fordert deshalb umgehend ein Gesetz zur Förderung der KWK.

Effizienz ist die Voraussetzung

Die erneuerbaren Energien und KWK können den Kohle- und Atomstrom nur vollständig ersetzen, wenn der Stromverbrauch insgesamt sinkt. Das ist kein Wunschtraum. Zahlreiche Studien zeigen, dass der Energieverbrauch bis zum Jahr 2050 halbiert werden kann. Allein mit einem vom BUND präsentierten Maßnahmenbündel zur Senkung des Stromverbrauchs könnten 47 Millionen Tonnen CO2 jährlich eingespart werden.



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Donnerstag, 1.6. "Milch-Markt-Macht - die Probleme der Milchbauern", Information und Diskussion mit Landwirten, ab 16 Uhr im Moritzhof Magdeburg

 

Montag, 5.6. Pflanzenschönheiten zum Pfingstmontag im Umweltzentrum Franzigmark, BUND Halle-Saalekreis, Botanische Exkursion und Verarbeitung von Sommerkräutern, 11- 16 Uhr

 

Dienstag, 6.6. Abendspaziergang an den Elben, Treffpunkt Sternbrücke, Inselseite (Rotehornpark), 18:30 bis etwa 20:30 Uhr

 

Donnerstag, 8.6. BioAbend- und LokalMarkt Magdeburg und im Rahmen der "Langen Woche der Nachhaltigkeit" zusätzlich der "Markt zur guten Tat" ab 15 Uhr bis 21 Uhr, Schellheimer Platz

 

Sonntag, 11.6. Das nachhaltigste Karussell der Welt, Familienhaus Magdeburg, 10-14 Uhr

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